Alexandra von Korff ist Bloggerin und Podcasterin. Ihr Thema: Brustkrebs. Im Netz ist sie zu finden als „Kick Cancer Chick“ und im Podcast „2 Frauen, 2 Brüste„. Sie gehört zu den Frauen, die mit ihrer Krankheit sehr offen umgehen. Denn Alexandra von Korff findet: Brustkrebs wird immer noch zu sehr tabuisiert.

HIER GIBT’S DEN PODCAST ZUM ARTIKEL:

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Sie selber ist 2017 an Brustkrebs erkrankt. Und für sie ist von Anfang an klar: Ich geh offen mit meiner Krankheit um. Also setzt sie ein Blog auf. Zuerst auch aus rein pragmatischen Gründen. Denn so konnten sich Familie und Freunde darüber informieren, wie es ihr geht, ohne dass sie jedem einzelnen alles nochmal haarklein erzählen musste.

„Ich hab auf dem Weg gemerkt: Das ist ein ganz schönes Tabuthema Krebs, Brustkrebs.“

Alexandra von Korff

Aber es geht nicht nur um die anderen. Auch ihr selber tut es ganz gut, über das zu schreiben, was sie erlebt und wie sie sich fühlt. Das Feedback aus dem Freundeskreis ist gut – und so macht Alexandra von Korff ihr Blog irgendwann öffentlich. Darüber entstehen immer mehr Kontakte zu anderen Brustkrebspatientinnen. Darunter auch sehr junge Frauen. Einige der Frauen, die sie auf ihrem Weg kennengelernt hat, leben inzwischen nicht mehr.

„Mir ist es ganz wichtig, wenn ich über dieses Brustkrebsthema rede, dass die Leute auch merken: Das trifft nicht nur die anderen. Das kann halt auch mich treffen.“

Alexandra von Korff

Und zwar egal, in welchem Alter. Ganz junge Frauen sind ebenso betroffen, wie ältere Frauen. Niemand ist „zu jung“, um an Krebs zu erkranken. Und deshalb hat Alexandra von Korff gleich zu Beginn unseres Gesprächs einen ganz eindringlichen Appell: Frauen sollten sich nicht mit dem Spruch „Das ist nur eine Zyste, sie sind viel zu jung für Brustkrebs“ wieder nach Hause schicken lassen, ohne dass das nochmal eingehend abgeklärt wird. Denn Zeit ist ein entscheidender Faktor bei der Krebsbehandlung, sagt sie.

„Darüber muss geredet werden. Es ist ganz wichtig, dass die Leute ihre Brüste abtasten.“

Alexandra von Korff

Und deshalb hat sie nach dem Ende ihrer Behandlung nicht aufgehört zu bloggen, sondern weitergemacht. Mit einem Podcast. Denn Alexandra von Korff und ihrer Podcastpartnerin Paulina Ellerbrock liegt eines besonders am Herzen: Aufklären über Brustkrebs. Und das Tabu brechen. Sie möchte Menschen die Angst nehmen über das Thema zu sprechen. Betroffenen ebenso wie Verwandten, Freunden und Bekannten.

„Natürlich, wenn ich Krebs sage, ist der erste Gedanke: Chemo, Tod. Und da haben viele Leute Berührungsängste.“

Alexandra von Korff

Alexandra von Korff hat das für sich so gelöst, dass sie offensiv auf die Menschen zugegangen ist. Die wichtigsten Fragen hat sie quasi in einen Satz gepackt: „So Leute, ich hab übrigens Brustkrebs, aber ich bin ganz positiv, sieht auch gut aus, hat, glaub ich, nicht gestreut, und wenn ihr Fragen habt, sprecht mich einfach an.“. Auch, weil sie es nicht ertragen konnte, dass dieser Elefant im Raum steht. Denn natürlich hat man ihr das irgendwann angesehen. Aber sie sagt auch ganz klar, das ist ihr persönlicher Weg, damit umzugehen. Und sie respektiert die Menschen, die darüber eben nicht sprechen können oder wollen. Die sich schämen, keine Haare zu haben oder eine Perücke tragen zu müssen, weil die Haare ausgefallen sind und sich so nicht vorzeigbar finden oder die Reaktionen der anderen nicht aushalten.

Nicht jede und jeder reagiert übrigens positiv, den sie mit ihrer Erkrankung konfrontiert. Denn in dem Moment wird Krebs natürlich greifbar. Und es drängt sich der Gedanke auf: Wenn es sie getroffen hat, dann könnte es auch mich treffen. Und irgendwie ist es doch leichter eben nicht darüber nachzudenken – und das Thema von sich fern zu halten.

„Ich kannte niemanden. Niemanden, der Brustkrebs hatte. Außer meiner Oma.“

Alexandra von Korff

Und, ja klar, alte Menschen bekommen Krebs. Das ist halt so. Aber junge Menschen? Frauen? Die vielleicht gerade erst Kinder bekommen haben? Die doch nicht! Denken wir so, weil wir mit unserem Wollen und Sein dann natürlich in völlig anderen Dimensionen agieren. Aber das ist dem Krebs halt egal. Der kommt nicht zur passenden Zeit. Der kommt, wenn er kommt. Und er trifft die Starken wie die Schwachen. Die Armen, die Reichen. Da macht die Krankheit keinen Unterschied. Und deshalb müssen wir drüber reden.

„Ich schrei’s halt heraus für alle, die nicht gern drüber reden.“

Alexandra von Korff

Weil in ihrem persönlichen Umfeld niemand von der Krankheit betroffen ist, sucht und findet Alexandra von Korff andere Brustkrebspatientinnen über die sozialen Netzwerke. Und so schlimm die Krankheit ist, sie ist froh dort Frauen kennenzulernen, die in einer ähnlichen Situation stecken. Die auch kleine Kinder haben und das durchmachen, was sie durchmacht. Die einfach wissen, wovon sie sprechen. Die auch ohne große Worte nachempfinden können, wie es ihr in bestimmten Situationen geht. Gerade auf instagram findet sie neue Freundinnen, ihre Busenfreundinnen – und auch Paulina, mit der sie seit Mai 2019 gemeinsam den Podcast macht.

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…..und morgen ist schon wieder #podcastdienstag! •
Dieses Thema ist definitiv mein wundester Punkt, meine Achillesferse, denn hier tut es richtig weg. • Als Mutter möchte man seine Kinder beschützen, will stets das beste für sie und dann kommt der Krebs und rüttelt den Alltag durcheinander. Die Kindheit meiner Kinder soll unbeschwert sein, aber nichts an Krebs ist unbeschwert und so zerreißt es einen, das schlechte Gewissen. Ja, das meiste spielt sich wahrscheinlich in meinem Kopf ab, denn das Ausmaß von dem was sie mitgenommen haben aus der Zeit, das wird sich wahrscheinlich noch zeigen. • Ich war stets offen mit meinen Kindern – das Buch der deutschen Krebshilfe "Warum trägt Mama eine Mütze im Sommer" haben wir hoch und runter gelesen. Meine Freundin Eva hatte es mir kurz nach meiner Diagnose geschenkt, denn Ihre Kinder waren ähnlich klein als sie krank wurde. • Ich habe meinen Kindern bis jetzt nicht gesagt, dass man an Krebs auch sterben kann. Gestern im Zug, schauten wir uns die App "der Zauberbaum" an und das Thema Tod wurde erwähnt und dass viele Menschen den Krebs überleben. Mir schnürte es erstmal die Kehle zu und da sagte Leo: "so wie Du, Mama, Du hast den Krebs doch auch überlebt!" Und er strahlte mich an. Diese App wurde übrigens extra für Kinder an Brustkrebs erkrankter Frauen entwickelt. • • #podcast #krebsmitkindern #brustkrebs #zauberbaum #warumträgtmamaeinemützeimsommer

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Diese Verbindungen haben sie durch die Krankheit getragen, sagt Alexandra von Korff. Eine gegenseitige Unterstützung, die auf einer ganz anderen Ebene stattfindet als das bei Nichtbetroffenen der Fall ist. Denen sie keinen Vorwurf macht. Denn natürlich haben auch Freundinnen und Freunde das Bedürfnis, sie zu unterstützen. Aber unter anderem auch durch die Medikamente, ist es nicht immer leicht, diese Unterstützung anzunehmen.

„Durch die ganzen Medikamente … man wird sehr dünnhäutig auch. Und da wird jedes Wort auf die Goldwaage gelegt. Ich war da wirklich auch, wahrscheinlich ein bisschen unfair in der Zeit.“

Alexandra von Korff

Denn auch, wenn das gut gemeint ist, aber Sprüche wie „Das wird alles gut“, die natürlich aufmunternd gemeint waren, die kamen gar nicht gut an. Denn genau das stand zu dem Zeitpunkt eben in Frage. Auch, weil es immer noch viele Frauen gibt, die die Erkrankung eben nicht überleben. Und weil Alexandra von Korff einige davon inzwischen persönlich kennt. Im Wissen, dass es eben auch nicht gut ausgehen kann, fällt es manchmal einfach schwer daran zu glauben, dass es „schon gut gehen“ wird. Und sie weiß einfach sehr genau: Positiv sein macht den Krebs nicht weg. Es hilft natürlich, die Therapien zu überstehen, aber auch durch und durch positive Menschen sterben an Krebs. Und für sie ist das in der Tat einfach eine sehr reale Erfahrung.

Krebsvorsorge: Zeit ist ein entscheidender Faktor

Zur Aufklärungsarbeit gehört für Alexandra von Korff aber nicht nur darüber zu sprechen, wie es ihr während der Therapie gegangen ist. Sie macht sich auch für Krebsvorsorge stark. Und an der Stelle müssen wir beide zugeben: Wir nehmen das mit dem Abtasten nicht so genau. Zumindest war das für Alexandra von Korff vor ihrer Erkrankung so. Und ich – nunja – ich bin da auch nicht die allerfleißigste. Ein Mal im Monat sollten Frauen ihre Brust untersuchen. Dazu gehört zum einen das Abtasten, aber auch das Anschauen. Denn es gibt Knoten, die wir zwar nicht fühlen, aber dafür sehen können.

„Vor meiner Brustkrebsdiagnose habe ich mich nie abgetastet. Ich dachte halt auch: Ich bin doch einmal im Jahr beim Arzt, weil ich bin über 30, da wirste ja dann abgetastet.“

Alexandra von Korff

Das jährliche Abtasten beim der Frauenärztin oder dem Frauenarzt gibt vielen Frauen ein falsches Sicherheitsgefühl. Ein mal im Jahr abtasten – das reicht ganz definitiv nicht. Ein Knoten kann innerhalb von Tagen wachsen. Und so war es auch bei Alexandra von Korff. Im Mai 2017 wurde sie zuletzt von ihrer Frauenärztin abgetastet, Ende August 2017 hatte sie einen kastaniengroßen Knoten in der Brust. Hart wie ein Stein. Den sie zufällig beim Duschen entdeckt als sie sich einseift.

Und an dieser Stelle sei gesagt: Egal wie groß oder klein eine Brust ist – Abtasten kann lebensrettend sein. Für Frauen mit kleinen Brüsten ebenso wie für Frauen, die bereits Knoten oder Zysten im Brustgewebe haben. Es ist einfach wichtig, die Beschaffenheit der eigenen Brust zu kennen, um Veränderungen feststellen zu können. Empfohlen wird, sich einmal im Monat direkt nach der Regelblutung abzutasten. Frauen, die keine Regelblutung mehr haben, suchen sich am besten ein bestimmtes Datum. Zum Beispiel an jedem 1. im Monat.

Wichtig ist auch: Schon oben am Schlüsselbein anfangen und auch unter den Achseln nach Knoten tasten. Denn es können auch Lymphknoten betroffen sein.

„Der Faktor Zeit ist so wichtig! Gerade bei den jungen Frauen sind es ganz oft ganz aggressive Tumore, die wahnsinnig schnell wachsen.“

Alexandra von Korff

Je früher ein Krebstumor erkannt wird, desto eher kann die Behandlung beginnen. Und desto geringer ist die Chance, dass die Krebszellen sich weiter im Körper verbreiten und dort Metastasen bilden. Denn dann wird es verdammt schwer, den Krebs wirksam zu bekämpfen. Deshalb rät Alexandra von Korff auch gerade jungen Frauen, darauf zu bestehen, dass zumindest ein Ultraschall der Brust gemacht wird, wenn ein Knoten da ist. Niemand kann den Unterschied zwischen einem Tumor und einer Zyste einfach ertasten.

Nach der Diagnose ging alles sehr schnell

Alexandra von Korff ist von ihrer Frauenärztin direkt zum Spezialisten geschickt worden. Dort ist eine Stanzbiopsie des Knotens gemacht worden. Mit örtlicher Betäubung wird dabei eine Gewebeprobe aus dem Knoten entnommen. Angenehm ist das nicht, aber auch nicht sonderlich schmerzhaft, findet Alexandra von Korff. Eine Pathologin oder ein Pathologe untersuchen das Gewebe dann, um festzustellen, ob der Tumor gutartig oder bösartig ist.

An dieser Stelle: Wenn ihr Probleme habt, einen Termin bei einer Frauenärztin oder einem Frauenarzt zu bekommen – lasst euch nicht abwimmeln. Ruft bei eurer Krankenkasse an und holt euch da Unterstützung zum Beispiel über den Terminservice. Oder geht ins Brustzentrum einer Klinik. Da sitzt ihr im Zweifel länger im Wartezimmer, aber ihr seid direkt bei Spezialisten.

„Da hab ich mir wirklich das Schlimmste vorgestellt. Weil ich zu dem Zeitpunkt auch noch nicht wusste: Ist mein ganzer Körper voll Krebs?“

Alexandra von Korff

Das Ergebnis ihrer Stanzbiopsie erhält Alexandra von Korff zwei Tage später: Der Tumor ist bösartig. Sie bekommt die Diagnose als sie gerade ihr zweites Kind abgestillt hat und wieder in ihren Job einsteigen will. Statt zurück in den Job geht es in die Klinik. Eine Woche nach der Diagnose steht bereits die erste Operation auf dem Plan. Eine Woche nach der Operation startet sie mit der Chemotherapie. Ihre Kinder sind zu diesem Zeitpunkt ein und zwei Jahre alt.

Trotzdem müssen jetzt Dinge organisiert werden. Für die Zeit nach der Operation und während der Chemo braucht Alexandra von Korff dringend Unterstützung. Vor allem für die Kinder. Also ruft sie bei der Krankenkasse an, um nach Unterstützung zu fragen. Inzwischen ist immerhin raus, dass der Krebs nicht gestreut hat. Das heißt sie hat gute Chancen, den Krebs zu besiegen und zu überleben. Und dann macht Alexandra von Korff, was sie immer macht: Sie packt die Dinge an, fasst sich ein Herz und informiert ihre Verwandten und engsten Freunde. Und dann ruft sie bei der Krankenkasse an, um rauszufinden, was sie an Unterstützung erhalten könnte.

„Und dann hab ich die Krankenkasse angerufen und gesagt: ‚So, ich hab jetzt Krebs. Wie helfen sie mir?'“

Alexandra von Korff

Die Krankenkasse hat daraufhin angeboten, Fahrten zur Chemo zu organisieren, ihr erklärt, wie man Krankengeld beantragt und auch eine Haushaltshilfe steht Alexandra von Korff zu. Wobei die Krankenkasse damit nicht ganz direkt um die Ecke gekommen ist. Denn zunächst mal sollte Alexandra von Korff Freunde und Verwandte fragen, ob die nicht helfen könnten. Die hätten dafür eine Entschädigung von acht Euro pro Stunde erhalten (Anmerkung an dieser Stelle: Im Podcast sagt Alexandra von Korff fünf Euro, das hat sie nachträglich korrigiert). Bei genauerem Nachfragen findet Alexandra von Korff aber heraus, dass ihr durchaus auch die Haushaltshilfe eines professionellen Dienstleisters wie zum Beispiel der Caritas zusteht. Und die wird auch wesentlich besser bezahlt.

Das wichtigste ist für Alexandra von Korff, dass ihre Kinder gut versorgt sind. Und zwar so gut, dass sie nicht auf die Mutter angewiesen sind. Denn Chemotherapie heißt auch, dass es Tage gibt, an denen einfach gar nichts geht. Und an denen einfach alles zu viel ist. Auch die eigenen Kinder. Eine zusätzliche Person im Haushalt, die jederzeit ansprechbar ist, schafft dann einfach Stabilität. Und Alexandra von Korff kann weiter dabei sein, es ist aber nicht essentiell. Das heißt, wenn es ihr plötzlich nicht gut geht, ist der Alltag der Kinder davon nicht betroffen. Sie werden zum Beispiel pünktlich in die Kita gebracht und abgeholt, es gibt regelmäßige Mahlzeiten. Ganz grundsätzliche Dinge eben, die den Alltag strukturieren.

„Ich nehm jetzt diese Haushaltshilfe. Weil die Energie, die ich habe, die will ich nicht mit aufräumen und putzen verbringen. Sondern da möchte ich mit meinen Kindern intensive und schöne Momente erleben.“

Alexandra von Korff

Aber – und auch das gibt Alexandra von Korff im Gespräch offen zu – die Kinder sind ihr wunder Punkt. Und sie hat nach wie vor ein schlechtes Gewissen. Denn sie hätte einfach oft gerne mehr gemacht. Und musste auch feststellen, dass ihr die eigenen Kinder manchmal schon nach kurzer Zeit auf die Nerven, weil sie so dünnhäutig war, dass sie es nicht aushalten konnte. Und das sind die Momente, in denen sie sich auch über sich selbst geärgert hat. Das einzige, was ihr dann bleibt ist, sich zurückzuziehen. Und dann da zu liegen und zu hören, dass ihre Kinder lachen und Spaß haben mit der Haushaltshilfe, ist schön für die Kinder. Für sie selber ist das aber durchaus schmerzhaft. Denn es gab eben in diesen Momenten auch das Gefühl: Deren Leben geht weiter ohne mich.

„Wenn sie nach mir geweint haben, war ich immer sofort da. Einmal ‚Mama‘ – und dann stand ich da.“

Alexandra von Korff

Es ist einfach eine riesige Herausforderung, sich so mit der eigenen Sterblichkeit auseinander setzen zu müssen. Für alle, egal ob mit oder ohne Kinder. Mit oder ohne Partnerschaft. Sich damit konfrontiert zu sehen, dass man nicht funktioniert. Nicht am Leben teilhaben kann. Sich auf den Körper als Vehikel, das uns durchs Leben trägt, einfach nicht mehr verlassen zu können. Das erschüttert das Grundvertrauen in Dinge, die wir im gesunden Zustand für selbstverständlich halten. Und trotzdem kann Alexandra von Korff dieser Erfahrung etwas Gutes abgewinnen. Daran gewachsen zu sein zum Beispiel.

„Es ist auch nicht alles schlecht, was jetzt mit dem Krebs passiert ist. Es sind auch tolle Sachen passiert. Und, ja, ich hab auch mehr zu mir gefunden. Aber ich hätte auf das alles locker verzichten können. Ich hätte vielleicht auch so meinen Weg gefunden.“

Alexandra von Korff

Dass sie über all diese Erfahrungen offen spricht, darüber öffentlicht bloggt und podcastet, fühlt sich für Alexandra von Korff völlig selbstverständlich an. Gedanken darüber, ob sich das zum Beispiel negativ auf ihre berufliche Karriere auswirken könnte, hat sie nicht. Auch wenn sie die früher mal gehabt hätte. Aber seit die Diagnose Brustkrebs fest stand, hat sie ihre Prioritäten neu sortiert. Bloggen war ihr wichtig. Und was andere dazu sagen, war ihr egal.

„Es hat so viel mehr etwas Sinnhaftes über Krebs zu sprechen als alle anderen Jobs, die ich bisher in meinem Leben gemacht hab.“

Alexandra von Korff

Geld bekommt Alexandra von Korff für ihr Engagement nicht. Bis jetzt zumindest. Und, wenn ihr mich fragt, gerade für gesellschaftliches Engagement und gesundheitliche Aufklärung dürfte es viel öfter auch finanzielle Anerkennung geben. Denn es steckt einfach auch viel Arbeit darin – und in dem Fall auch ein persönliches Schicksal. Nicht zu vergessen, dass die Krebserkrankung selbst eine enorme finanzielle Belastung für die Betroffenen darstellt.

Eine Krebstherapie ist auch eine finanzielle Belastung

Obwohl es Unterstützung von den Krankenkassen gibt: Wer an Krebs erkrankt auf den kommen zusätzliche Kosten zu. Zum Beispiel was die Zuzahlung bei Medikamenten angeht oder auch in der Reha, wenn es darum geht, bestimmte Cremes für die Haut nach der Chemotherapie zu verwenden oder auch alternative Medikamente, deren Kosten nicht von der Krankenkasse getragen werden. Gleichzeitig können viele Brustkrebspatientinnen nicht mehr arbeiten gehen. Gerade für Mütter, die vielleicht sogar vorher nur Teilzeit gearbeitet haben, ist die finanzielle Belastung enorm. Denn obwohl Krankenkassen einen Teil des Geldes in Form von Krankengeld zahlen – wenn nur noch knapp 60 Prozent von einem Teilzeitgehalt übrig bleiben, dann ist das unglaublich wenig. Und das über einen doch recht langen Zeitraum.

„Ich hatte gottseidank das Glück, dass ich mir in der Zeit auch Geld leihen konnte. Hätte ich nicht diese Möglichkeit gehabt, wäre ich jetzt insolvent.“

Alexandra von Korff

Auch Alexandra von Korff kommt finanziell an ihre Grenzen, obwohl sie sogar noch Ersparnisse hatte. Bei vielen jungen Frauen oder Familien mit Kindern sind meist keine Ersparnisse mehr verhanden – oder konnten noch gar nicht erwirtschaftet werden. An der Stelle sei auch noch erwähnt, dass es die Möglichkeit gibt, sich von der Zuzahlung befreien zu lassen, wenn diese zwei Prozent des Einkommens überschreiten. Genau Informationen gibt es zum Beispiel bei der Verbraucherzentrale. Und auch nach Ende der Chemotherapie sind nicht alle Patientinnen wieder voll arbeitsfähig. Denn die Nebenwirkungen können auch lange nach Abschluss der Behandlung noch dazu führen, dass es schlicht nicht möglich ist, Vollzeit zu arbeiten.

Alexandra von Korff hat heute – knapp ein Jahr nach Ende der Therapie – noch immer mit Nebenwirkungen zu kämpfen. Welche das sind, hat sie auf ihrem Blog „Kick Cancer Chick“ aufgelistet. Eine davon ist Krebsfatigue – ein Erschöpfungssyndrom, das – so sagen ihr die Ärztinnen und Ärzte – meist erst über ein Jahr nach Ende der Behandlung besser wird.

„Ich habe einen Erschöpfungszustand seit letztem Juni. Das ist jetzt schon seit über einem Jahr, dass ich morgens aufstehe und mich fühle als hätte ich gar nicht geschlafen.“

Alexandra von Korff

Selbst zwischendurch nochmal hinlegen und schlafen verbessert die Symptome nicht. Und die Auswirkungen merkt Alexandra von Korff besonders im Beruf. Denn inzwischen arbeitet sie nach einer sechswöchigen Wiedereingliederungsphase wieder zu 80 Prozent. Aber immer wieder hat sie Konzentrationsschwierigkeiten. Und das stresst natürlich. Denn für ihren Job braucht sie ihre volle Leistungsfähigkeit. Bei vielen Brustkrebspatientinnen wird diese Krebsfatigue etwa ein Jahr nach Ende der Chemotherapie besser. Das wäre in ihrem Fall im Dezember. In der Zwischenzeit muss sie sich irgendwie durchkämpfen. Denn so positiv sie von ihren Kolleginnen und Kollegen wieder aufgenommen wurde – sie muss jetzt einfach ran.

Doch trotz frustrierender Momente, weil einiges gerade eben doch noch nicht wieder so schnell klappt wie vor der Erkrankung, geht Alexandra von Korff besser mit sich um als früher. Auch das klappt nicht jeden Tag. Aber Achtsamkeit spielt für sie inzwischen ein ganz große Rolle. Und Grenzen setzen. Nein sagen, wenn es nicht mehr geht. Egal, was andere gerade von einem erwarten. Oder auch im richtigen Moment mal Ja sagen statt vielleicht oder irgendwann.

Zum Nein sagen gehörte für Alexandra von Korff auch zu sagen, dass sie Menschen nicht gut ertragen konnte, bei denen grundsätzlich alles schlecht war. Jammern, sagt sie, fand sie furchtbar. Was nicht heißt, dass sie grundsätzlich keinen Bock auf die Probleme ihrer Freundinnen und Freunde hatte. Im Gegenteil. Am Leben der anderen teilhaben zu dürfen, gebraucht zu werden und als Freundin auch Ratschläge geben zu können oder zu trösten, war für sie ganz wichtig.

„Das geb ich vielleicht noch so mit als kleinen Tipp: Wenn du eine Freundin hast, die Krebs hat und du denkst: ‚Oh, mit meinen Sorgen möchte ich die nicht belasten, das ist ja viel schlimmer, was die hat.‘, das ist auch nicht gut.“

Alexandra von Korff

Psychologische Betreuung während der Krebstherapie

Weil die Psyche eine entscheidende Rolle im Genesungsprozess spielt, haben Krebspatient:innen Anspruch auf psychologische Betreuung. Fünf psychoonkologische Sitzungen stehen einem zu. Auch Alexandra von Korff hat das in Anspruch genommen. Mehr als fünf Sitzungen gibt es aber erstmal nicht. Die müssen nochmal extra beantragt werden. Das kostet aber Kraft. Wer Mitten in einer Chemotherapie steckt, hat die aber nicht immer.

„Da finde ich, da ist noch unheimlich Verbesserungsbedarf. Denn ich finde das so, so wichtig.“

Alexandra von Korff über psychologische Betreuung

Und auch für Krebspatient:innen gibt es dann erst mal eine Wartezeit, wenn die Anträge ausgefüllt sind. Alexandra von Korff hat mitten in der Chemotherapie drei Monate ohne psychoonkologische Betreuung aushalten müssen. Was natürlich geht, ohne Frage. Aber es wäre für die Betroffenen natürlich schöner, wenn sie diese Unterstützung hätten, ohne sich in einer solchen Situation noch mit bürokratischen Angelegenheiten beschäftigen zu müssen. Alexandra von Korff möchte diese Unterstützung jedenfalls nicht missen und rät auch jedem und jeder, die einen Anspruch darauf hat, den auch wahrzunehmen. Denn es hilft einfach, die Situation zu bewältigen.

Und eine weitere Situation hatte Alexandra von Korff ebenfalls zu bewältigen. Sie muss ihren Kindern irgendwie erklären, was mit ihr los ist. Auch da holt sie sich Rat bei einer Psychologin. Und eine ebenfalls an Brustkrebs erkrankte Mutter empfiehlt ihr ein Buch: „Warum trägt Mama im Sommer eine Mütze?“ hilft, Kindern im Kindergarten- und frühen Grundschulalter zu erklären, was eigentlich los ist. Warum die Haare ausfallen und vieles mehr. Alexandra von Korff geht sehr offen mit ihrer Krankheit um. Und zeigt den Kindern in der Kita zum Beispiel auch ihre Glatze. Auch, um Scham und Angst keinen Raum zu bieten. Das machen und wollen nicht alle Eltern so. Und das ist auch OK. Aber für sie war es der bestmögliche Weg, damit gar nicht erst Berührungsängste entstehen. Nur eins hat sie ihren Kindern nicht erzählt: Dass sie an Brustkrebs sterben könnte.

Kleine Notiz: Was bringt Abtasten

  • Mit dem regelmäßigen Abtasten der Brust, lernt ihr sie besser kennen und könnt damit auch Veränderungen frühzeitig feststellen
  • Das Ansehen der Brust ist mindestens ebenso wichtig- Eine Veränderung des Brustgewebes kann vielfältige Gründe haben
  • Nicht jeder Knoten ist Krebs, nicht jeder Krebs ist bösartig, nicht jede diagnostizierte Zyste ist eine Zyste
  • Der Unterschied zwischen einer Zyste und einem Tumor lässt sich nicht ertasten
  • Bei Krebserkrankungen kann es zu einer sogenannten Überdiagnose kommen, das heißt, die Diagnose an sich ist richtig, die sich daran anschließende Therapie aber nicht unbedingt notwendig (zum Beispiel Brustkrebs bei älteren Frauen, der nicht besonders aggressiv ist und auch nicht bösartig).
    Mehr Infos dazu findet ihr hier -> https://www.gesundheitsinformation.de/nutzen-und-schaden-von.2271.de.html

Meine persönliche Einschätzung dazu:

Mit regelmäßigem Abtasten lernt ihr in jedem Fall eure Brust besser kennen. Wenn ihr Veränderungen feststellt und damit zur Gynäkologin/zum Gynokologen geht, seid ihr aber auf eine fachkundige Diagnose angewiesen. Informiert euch und stellt so viele Fragen, wie ihr braucht. Fragt ganz genau nach, was diagnostiziert wird. Und zwar so lange, bis ihr das Gefühl habt, ihr seid gut informiert und habt verstanden, welche Therapie angezeigt ist und warum. Wenn ihr Zweifel habt und könnt, holt euch eine zweite Meinung ein. 

Im Fall von Alexandra von Korff war es ein schnell wachsender, aggressiver Tumor. Es war gut und wichtig, dass sie das selber erkannt hat und rechtzeitig zu ihrer Ärztin gegangen ist.