Die Musikerin Kaleo Sansaa ist bereits zum zweiten Mal zu Gast in diesem Podcast. Und das hat gute Gründe: Denn ich schätze ihre Perspektive auf den Klimaaktivismus. Und ich schätze ihren Umgang mit Natur. Nicht nur in ihren inspirierenden Instagram-Storys, sondern auch in ihrer Musik!

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In ihren Instagram-Storys nimmt die Künstlerin ihre Follwer:innen regelmäßig mit vor die Tür und spricht darüber, was ihr Natur bedeutet. Sie ist Kaleos Quelle für Inspiration, aber eben auch Ruheort und Oase im hektischen Großstadtleben. Zu den Ausflügen gibt es auch immer ein bisschen Empowerment-Talk. Die Message: Geht raus in die Natur. Weil es euch gut tut. Sorgt für euer Wohlbefinden und gönnt euch Auszeiten.

„Ich bin motivierter denn je, mache mehr, denn je, arbeite härter und mehr und schneller denn je und ich merke, dass ich diesen Rückzugsort bewusst brauche.“

Kaleo Sansaa

Im Prinzip spricht Kaleo Sansaa diese Empfehlungen an sich selbst genauso aus. Es sind ständige Erinnerung an das, was ihr gut tut. Und vielen anderen Menschen auch. Bei ihren Großeltern auf dem Land in Sambia oder auch in Duisburg, wo Kaleo Sansaa aufgewachsen ist, waren diese Dinge einfach gegeben. Aber in Köln muss sie sich viel häufiger bewusst dafür entscheiden, die Stadt auch mal zu verlassen. Und das, obwohl Köln eine ziemlich grüne Stadt ist und der Rhein im Prinzip ständig erreichbar. Nur: Kölner:innen und Kölner hängen ein bisschen an ihrem Veedel. Im Prinzip ist in diesen kleinen Stadtteilen alles in unmittelbarer Nähe.

„Ich bin so ein kleiner Workoholic geworden. Und alle Zeit, die ich außerhalb meines Zimmers am Schreibtisch oder an meiner Musik verbringe, muss ich vor mir krass rechtfertigen.“

Kaleo Sansaa

Und irgendwie kennen wir das wahrscheinlich alle ein bisschen. Wir nehmen uns Zeit für einen Spaziergang und gleichzeitig klopft unser Pflichtbewusstsein an die Tür und sagt: Eigentlich könntest du in der Zeit auch vier Emails beantworten. Ein ständiges Aushandeln zwischen produktiv sein und einfach leben und in der Welt sein.

Was ich dabei wirklich super sympathisch finde: Kaleo Sansaa probiert Dinge aus, nimmt sich dabei aber eben selbst nicht so ernst, wenn es darum geht, einen gesunden Lebensrhythmus zu kreieren. Als sie im Sommer die „5-Uhr-Challenge“ für ihre Community ausgerufen hat, fand ich das zunächst mal sehr ambitioniert: Jeden morgen um 5 Uhr aufstehen, um einfach mehr vom Tag zu haben. Steht ja auch im ein oder anderen Lebensratgeber. Kaleo probiert das aus, nimmt ihre Community dabei mit – und stellt dann fest: Wenn ich das durchziehe, hab ich einfach krassen Schlafmangel. Deshalb lautet ihre neue Challenge: sieben bis acht Stunden pro Nacht zu schlafen – oder wenigstens sechs.

Fridays for future und Diversität

Wie wichtig Kaleo Sansaa Natur und damit auch Naturschutz ist, zeigt sich auch an ihrem Engagement. Beim großen Klimastreik in Köln hat sie auf der Abschlussveranstaltung performt. Für sie auch Anlass, sich nochmal intensiv mit der Fridays for Future-Bewegung, aber auch mit den weltweit stattfindenden Klimaprotesten auseinander zu setzen.

„Grundsätzlich supporte ich jede Bewegung, die versucht, die Erde ein Jahr länger am Leben zu erhalten.“

Kaleo Sansaa

Und natürlich ist sie dabei nicht nur auf positive Stimmen zur Fridays for Future-Bewegung gestoßen. Und so sehr sie selbst diese Bewegung unterstützt: Oft wird vergessen, was mit Klima alles zusammenhängt, sagt sie. Zum Beispiel die Frage danach, wer den größten Klimaschaden verursacht und wer schon immer dafür gesorgt hat, dass die Erde sich erhält. Vor dem Hintergrund, sagt Kaleo, entsteht viel Frustration darüber, dass der Westen als Retter der Erde dargestellt wird. Dabei sind westliche Technologie, Kolonialismus und die Ausbeutung von Mensch und Tier der Grund, warum es überhaupt zu einem so immens negativen Einfluss auf das Klima gekommen ist.

Auch über Klimagerechtigkeit muss mehr diskutiert werden, findet die Künstlerin. Denn wer leidet am meisten darunter, wenn es Dürreperioden gibt? Deutschland als gemäßigte Klimazone wird vorerst nie so darunter leiden, wie zum Beispiel jetzt schon Menschen in Teilen Afrikas. Auch Überschwemmungen werden hierzulande erstmal nicht das Ausmaß annehmen, wie zum Beispiel im Frühjahr 2019 beim Zyklon Idai, der so viel Wasser ins Landesinnere gedrückt hat, dass große Teile von Mosambik, Simbabwe und Malawi überschwemmt worden sind.

Kaleo Sansaa ist es wichtig, dass Bewegungen wie Fridays for Future transparent machen, dass sie auch diese Themen auf dem Schirm haben. Und eben nicht als die Retter aus dem Westen auftreten. Als positives Beispiel nennt sie einen Post von Fridays for Future Köln , in dem die Initiative deutlich macht, dass sie diese Themen mitdenkt, wenn sie auf die Straße geht. Von einer Schuldzuweisung an die Generationen, die heute leben und die nicht Teil der Entwicklungen der Vergangenheit waren, hält Kaleo Sansaa nichts. Es gehe eher um eine Sensibilisierung und Bewusstseinserweiterung. Es geht nicht darum, Verbote zu erteilen. Sondern Fragen zu stellen, die ermöglichen, bestimmte Prozesse mitzudenken.

„Es geht nicht darum zu sagen: Iss keine Karotten. Sondern zu fragen: Woher kommt die Karotte? Dass man das eben mitdenkt.“

Kaleo Sansaa

Es geht auch darum, Menschen, die schon durch ihren Lebensstil nur wenig zu Umweltverschmutzung beitragen, sichtbar zu machen. Dazu gehören die indigenen Völker im Amazonas oder auch Kaleos Oma, die in Sambia auf dem Land lebt und allein deshalb schon einen wirklich sehr kleinen ökologischen Fußabdruck hinterlässt. Und zwar nicht, weil sie es nicht könnten, weil zum Beispiel Geld oder Ressourcen fehlen, um Maschinen einzusetzen, deren Betrieb nunmal fossile Energien verbraucht. Sondern weil sie sich bewusst auch dafür entscheiden, eben nicht Teil der industrialisierten Welt zu sein, die mehr Ressourcen verbraucht, als die Erde zur Verfügung hat.

„Ich hab das so mitbekommen, dass es schon einige Gruppen gibt, die sich bewusst vom brasilianischen Stadtleben entziehen und bewusst ein kulturelles Erbe weiterleben.“

Kaleo Sansaa

Bei aller Kritik oder bei allem Hinweisen auf kritische Punkte im Zusammenhang mit der Fridays for Future Bewegung, zeigt sich Kaleo Sansaa extrem beeindruckt von der Kraft und der Ausdauer, die diese Bewegung hat. Und vom Umgang miteinander, der da gelebt wird. Lieb, jung, engagiert – das sind die Attribute, die der Musikerin zu den Organisator:innen einfallen. Und sie hat auch einen riesen Respekt dafür, wie reflektiert die teilweise erst 16-jährigen Veranstalter:innen sich zeigen.

„Ich bin einfach richtig begeistert gewesen von der Energy, von der Hingabe. Das ist schon crazy.“

Kaloe Sansaa

Die Frage danach, ob es genügend Diversität in der Protestbewegung gibt und ob BIPoC-Menschen (Black, indigeniouse, People of Color) genügend repräsentiert sind, ist gar nicht so leicht zu beantworten. Kaleo Sansaa findet es realistischer und effektiver, innerhalb einer Bewegung auch andere Bewegungen anzuerkennen als verkrampft und um jeden Preise alle potentiell betroffenen Gruppen repräsentieren zu wollen. Denn dann tritt im Zweifel das Thema hinter die Bemühungen um Diversität zurück. Beim Klimastreik in Köln sah das so aus, dass einfach verschiedene Blöcke definiert wurden, bei denen man mitlaufen konnte. Also ein Block für Fridays for future, ein Antirassistischer-Block, ein Block für die queere Community und und und. Also alle gemeinsam mit ihren Themen versammelt unter dem Kampf für mehr Klimaschutz mit ihren spezifischen Themenschwerpunkten.

Für Kaleo Sansaa ist es völlig in Ordnung, wenn verschiedene Bewegungen und Schwerpunkte nebeneinander bestehen, solange sie den Kontakt nicht zueinander verlieren. Also zum Beispiel weißer und schwarzer Feminismus sprechen ganz eindeutig verschiedene Zielgruppen an und haben neben einer gemeinsamen Agenda, nämlich Geschlechtergerechtigkeit, eben auch zielgruppenimanente Themen. Wichtig ist darüber im Austausch zu bleiben und zum Beispiel an der Stelle historische Kontexte darzustellen.

„Ich bin zufrieden mit einem Fridays for Future, das wie zum Beispiel im Post der Kölner sagt, es gibt auch Aktivistinnen im Amazonas oder in Brasilien, die sterben, weil sie wirklich hingerichtet werden und wir dürfen hier streiken und das schlimmste, was uns passiert ist eine Erkältung, weil wir draußen sind.“

Kaleo Sansaa

Es ist einfach wichtig, auf sowas hinzuweisen und sich im weltweiten Spektrum des Aktivismus entsprechend zu verorten. Das heißt andere Bewegungen anzuerkennen, zu erkennen und zu kommunizieren, wo die eigenen Privilegien liegen und die Ziele zu definieren, die im Rahmen dieser weltweiten Bewegung erreicht werden sollen. In einem Satz: Auf Augenhöhe mit anderen auf das gleiche Ziel hinarbeiten.

Greta Thunberg ist nicht das Problem

Was die Rolle von Greta Thunberg angeht, will ich an dieser Stelle gerne ein paar spannende Gedanken hervorheben, die Kaleo Sansaa zusammenfasst. Nämlich warum sich die Medien ausgerechnet eine junge, weiße Aktivistin aus Schweden auserkoren haben, die sie als Ikone des Klimaprotests mit inszenieren. Sie erscheint harmloser als Umweltaktivistinnen, die Schwarz, PoC oder Native Americans sind, die an Strukturen rütteln, die gefährlich sind. Die auch im Kontext ihrer Herkunft einen anderen politischen Einfluss haben könnten, wenn Medien sie unterstützen würden. Wie zum Beispiel brasilianische Aktivist:innen, die sich mit Präsident Bolsonaro anlegen – und damit auch mit einem kompletten Industriezweig vor Ort, der maßgeblich für die Zerstörung des Amazonas verantwortlich ist – und dessen Produkte auch hier in Europa konsumiert werden. Womit sich der Kreis schließt. Vor dem Hintergrund erscheint es fast lächerlich, dass sich Teile der Weltbevölkerung bereits von einer jungen, weißen Schwedin bedroht fühlen.

Umweltschützer:innen, deren Leben direkt bedroht ist, leben auch eine andere Form des Protests, der mitunter dann auch nicht mehr gewaltlos ist. Auch etwas, das Medien eher ungern in die Öffentlichkeit tragen.

Natur und Spiritualität in der Musik

Die Entwicklungen im Klimaschutz und auch der Klimawandel beeinflussen natürlich auch Kaleo Sansaas künstlerisches Schaffen. Der Name „Sansaa“ basiert auf der Sonne, solarbased, wie Kaleo sagt. Und auch die Lebensphilosophie der Künstlerin basiert auf dem Einfluss der Sonne. Das klingt alles erst mal sehr positiv. Aber durch die Beschäftigung mit dem Klimawandel hat Kaleo Sansaa auch begonnen über die negativen Einflüsse der Sonne zu reflektieren. Sie ist zum einen eine essentielle Quelle von Leben auf der Erde. Aber sie wird auch immer mehr als Bedrohung gesehen. Denn sie verbrennt diese Lebensgrundlage an einigen Orten auf der Welt auch wieder. Oder lässt sie aufgrund extremer Trockenheit und Hitze gar nicht erst entstehen.

Sich damit auseinanderzusetzen und sich darin zu verorten, fand Kaleo Sansaa erst mal ziemlich schwierig. Aber sie hat eine Haltung dazu gefunden. Denn trotz allem: Wir lieben die Sonne und wir brauchen ihre Wärme. Und Kaleo sagt als Künstlerin einfach: Ich bin die Hitze, nach der ihr gefragt habt. Also kommt damit klar oder ändert euer Verhalten, damit ich keine Bedrohung mehr für euch bin. Und weil sich Sonne schlecht bekämpfen lässt, müssen wir uns schütze. Einen Schutz vor zu viel Sonneneinstrahlung haben wir als Menschen bereits nachhaltig zerstört: Die Ozonschicht. Und auch so benötigen wir Sonnenbrillen und Hautschutz, um die Wärme der Sonne genießen zu können. Die einen mehr, die anderen eben weniger. Das ist sehr individuell.

„If you can’t take the heat, why are you asking for it? Don’t come closer!“

Kaleo Sansaa

Eine ziemlich starke Position für die sich Kaleo Sansaa nicht mehr entschuldigen will. Die Sonne entschuldigt sich schließlich auch nicht dafür, dass sie scheint, sagt sie. Die Sonne macht ihr Ding. Egal ob wir das mögen oder nicht. Egal ob wir sie sehen oder nicht. Sie tut, was sie tun muss. Und genau den Aspekt will sich Kaleo Sansaa in ihrem künstlerischen Schaffen zum Vorbild nehmen. Ihr credo: Don’t blame me for shining.

Das klingt jetzt alles sehr selbstbewusst. Aber ganz so einfach ist das natürlich auch nicht. Und wir lachen auch herzlich, während Kaleo die Kraft der Sonne beschwört. Denn letztendlich sind wir natürlich Menschen und als solche empfindsame Wesen. Und auch für Kaleo hat nicht immer die Sonne geschienen im Leben. Aber, sagt sie, auch in ihren traumatischen Erfahrungen hat sie irgendwo in sich immer eine Art Energie gespürt, die ihr da wieder raus hilft. Eine Sonne. Auch Lachen und Humor hat sie sich als Bewältigungsstrategie für schwierige Zeiten angeeignet.

Auf der Bühne zu viel von sich preiszugeben, davor hat Kaleo Sansaa keine Angst. Im Gegenteil. Sie empfindet die Bühne als einen Ort, um Verbindungen mit Menschen aufzubauen. Ein Chance Menschen am eigenen Erleben teilhaben zu lassen und Verständnis herzustellen. Ein bisschen so, als würde man jemandem den Weg erklären wollen, weil man möchte, dass das Gegenüber heil da an kommt. Und weil der Weg nicht so bekannt ist, oder das Ziel, benutzt Kaleo Sansaa Metaphern, um sich auszudrücken. Und viele dieser Metaphern entlehnt sich aus der Natur.

„Für mich ist das ein heiliger Moment von: Ich kann connecten.“

Kaleo Sansaa über den Moment auf der Bühne

Die Musikerin versteht sich auf der Bühne als ein Medium. Als jemand, die all jenen eine Stimme gibt, die sich selber nicht so gut ausdrücken können. Ein Vorgang, der durchaus heilsam sein kann. Dafür muss man nicht erst Musikwissenschaften und Literatur studiert haben. Musik leistet ein universelles Verstehen. Ähnlich wie die Natur.

Wer mehr über Kaleo Sansaa und ihre Musik erfahren möchte, folgt ihr am besten auf Instagram oder checkt Termine auf ihrer Homepage